Christoph Schlingensief – Du Künstler!!!

August 22, 2010
Christoph Schlingensief während der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2009 (Circus Roncalli auf dem Wiener Rathausplatz).

Christoph Schlingensief während der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2009 (Circus Roncalli auf dem Wiener Rathausplatz).

In Zeiten der permanenten Bespielung mit Schlagzeilen gibt es wenige Meldungen, die einen kurz stocken und innehalten lassen. Gestern Abend war es wieder soweit – Christoph Schlingensief ist 49jährig an Krebs gestorben.

Nichts was er gemacht hat, hat allen gefallen. Er war wohl einer der wenigen im Kunstbetrieb, die die Provokation nicht um der Provokation willen suchten. Denn alles, was er machte, hatte eine Message. So unpopulär das in diesen Tagen auch sein mag, so wurde er dadurch doch zum Pop-Star der Theaterszene.

Als Genie von den einen gefeiert, als Enfant terrible von den anderen gehasst. Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwie dazwischen. Im Gegensatz zu vielen anderen Provokateuren hat sich Schlingensief dem Publikum gestellt, egal ob es sich für oder gegen ihn verbündete. Dabei hat er sich so weit hinausgewagt, dass es manchmal auch weh tat (siehe Video von der “Container Aktion” in Wien im Jahr 2000).

Er stellte sich der Diskussion und verteidigte seine Arbeit, weil es etwas gab, über das es sich zu streiten lohnte. Ob als Medienkritiker, Partei- & Kirchengründer, Talk-Master, Autor, Opern- & Film-Regisseur oder Kultur-Entwicklungshelfer war er ein Wahnsinniger mit einer Vision, der von Publikum und MitstreiterInnen nicht weniger verlangte als von sich selbst.

Er sprach Kunst, er atmete Kunst und vermutlich schwitze er auch Kunst. Er lebte seine Kunst und seine Kunst lebt weiter.
Tschüss Christoph Schlingensief! Du Künstler!!!

Kondolenzbuch und Spendenaufruf für das Operndorf in Burkina Faso: www.schlingensief.com

Artikel zu Tod Christoph Schlingensiefs:
derstandard.at
spiegel.de
diepresse.com

Christoph Schlingensief auf wikipedia


Michael Jackson hat seinen Spielplatz verlassen

Juni 26, 2009

Ich könnte ja nicht sagen, dass ich sonderlich entsetzt oder überrascht wäre, dass Michael Jackson gestern Nacht gestorben ist. Und doch ließ mich die Nachricht heute morgen aus dem Halbschlaf hochschrecken.

Michael Jacksons Stern am Walk of Fame - wikipedia.de

Michael Jacksons Stern am Walk of Fame - wikipedia.de

Immerhin hat er mich seit meiner Kindheit und Jugend begleitet. Anfangs noch als Fan von “Thriller” und “Bad”. Das Meisterhafte an “Off the Wall” erkannte ich erst viel später. Dazwischen – um genau zu sein in den 90ern – war er für mich das musikalische Böse – die Antithese zu dem was Musik für mich bedeutete – diese Gigantomanie, die Effekthascherei, diese Promotion-Maschine – das war nichts für mich.

Ich bin in der Zwischenzeit wohl erwachsen geworden. Michael Jackson scheint ewig ein Kind geblieben zu sein, dessen Spielplatz die ganze Welt war. Trotz aller Witze und Spöttereien, die über seinen exzentrischen Lebensstil gemacht wurden, verstummte nie das Glucksen im Hals, wenn man sich nach dem WARUM fragt.
Bleibt zu hoffen, dass er nun Friede und Liebe gefunden hat.


Der Muliar – ein Volksschauspieler

Mai 4, 2009

blog_diewirtinIch kann mich noch erinnern, dass ich mich als Kind über den Schwejk zerkugelt hab. Außerdem hat es mich beeindruckt, dass der Muliar meinem Papa ziemlich ähnlich geschaut hat.

Ach ja – einmal ist er im Zug gleich einen Platz weiter gesessen. Ich bin mit meinen Eltern früher ausgestiegen. Mein Onkel und meine Tante sind noch weiter Richtung Wien gefahren. Als der Zug wegen eines technischen Defekts liegen blieb, erklärte mein Onkel (ein Eisenbahner) dem Muliar, was nun vorging und wie schnell mit der Weiterfahrt zu rechnen wäre.

Mein Onkel erzählte die Anekdote noch jahrelang. Es sind wohl diese Begegnungen und Erinnerungen, die einen Schauspieler zum “großen Volksschauspieler” werden lassen.

Schön, dass er seiner Berufung bis zum Ende folgen konnte – der Muliar.


Orlando ‘Cachaíto’ López 1933 bis 2009

Februar 10, 2009

Jahrelang ist das Poster mit dem Cover seiner wunderbaren Solo-CD an meiner WG-Zimmer Tür gehangen. Wie er seinenen riesig wirkenden Kontra-Bass das enge Stiegenhaus hinunter trägt. Man wollte ihm fast zur Hand gehen.
Er war für mich immer einer der “coolsten” Buena Vistas gewesen. Immer etwas im Hintergrund und muskalisch brilliant – das Bassisten-Klischee.

Der “Herzschlag des Buena Vista Social Club”, Orlando ‘Cachaíto’ López ist vorgestern in einem Spital in Havanna gestorben. Ich habe mich schon so sehr auf seinen Auftritt mit dem “Orquesta Buena Vista Social Club” im Juli in der Wiener Staatsoper gefreut – nun wird das Konzert sicher auch ohne ihn ein schöner Abend mit kubanischem Feeling und jeder Menge Lebensfreude werden. Aber es wird bestimmt eine Portion Wehmut mitschwingen. Bleibt zu hoffen, dass ihm im Himmel wer mit dem Bass im Stiegenhaus hilft.

Hier noch das offizielle Statement der Plattenfirma.
Lesen Sie den kompletten Artikel hier »


So oft…

August 25, 2008

The Slow ClubSo oft… haben wir auf freikarte.at Konzerte des Slow Clubs verlost.
So oft… habe ich mir gedacht, dass muss ich mir jetzt mal anschauen.
So oft… ist mir etwas dazwischen gekommen.

Sehr oft werde ich mir noch denken:
“Wäre ich doch einmal hingegangen.”

Die Stimme des Slow Club ist dieses Wochenende verstummt. Hansi Lang ist an einem Schlaganfalls im Alter von 53 Jahren gestorben. Er hat als einer der wenigen österreichischen Musiker bewiesen, dass man sowohl erfolgreich, als auch in Würde altern kann.

Gerne hätte ich es miterlebt, wie er damit weitermacht.