MannMannMann – Jazz Fest Wien 2009 – meine persönlichen Höhepunkte 1


Es sind immer wieder außergewöhnliche Wochen Ende Juni / Anfang Juli, wenn nach monatelanger Arbeit für das Jazz Fest Wien der Konzertreigen endlich beginnt – und nach einer Reihe intensiver Tage (auch endlich) wieder vorüber ist. Aber mit einigen Tagen Abstand überwiegen wieder die großartigen Momente und Begegnungen, die einem zeigen, warum man sich das alles antut. Um es mit einem der heurigen Höhepunkte Helge Schneider (dazu später mehr) zusammenzufassen: „MannMannMann“.

Konzertberichte und -Bilder finden Sie übrigens auch unter http://www.viennajazz.org/blog

SamulNori bei der Jazz Fest Wien Eröffnung

SamulNori bei der Eröffnung

Bereits die Eröffnung am 29.6. am Rathausplatz hatte es in sich. Schien es bei der ersten Gruppe Armenien Spirit noch so, als ob uns der Wettergott hold bliebe, begann es kurz vor dem zweiten Act Wolfgang Puschnigs Red Sun Trio mit den koreanischen SamulNori dann leider doch zu regnen.

Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, als das Ensemble ihr Konzert kurzerhand in die Arkaden vor dem Rathaus verlegte. Diese kompakte Stimmung und Atmosphäre wäre über die große Bühne nur schwer „rübergekommen“.

Anderen wetterbedingten Einfluss hatte die abendliche Hitze auf das John Scofield Konzert am 30.6. im WUK. Es sollte sich als perfekte Umgebung für den Südstaaten-Sound der Jazz-Gitarren-Legende erweisen – in den Sümpfen Loisianas kann es kaum heißer sein.

Mit Kuba in bester Gesellschaft

Omara Portuondo bei der Signierstunde

Omara Portuondo bei der Signierstunde

Bereits vor deren ausverkauften Konzert hatte ich das Vergnügen, das Orchestra Buena Vista Social Club kennenzulernen. Das 19köpfige Ensemble ließ es sich nicht nehmen dabei zu sein, wenn ihre Freundin Omara Portuondo eine goldene Schallplatte in der Wiener Staatsoper überreicht bekommt. Recht hatten sie. Die Verleihung ging zwei Tage später durch die Society-Seiten der heimischen Presse, da es sich die kubanische Diva nicht nehmen ließ, sich vom Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny den Walzer beibringen zu lassen. Ihre Lebensfreude und -energie ist für eine fast 80jährige Frau beeindruckend – auch als sie im Anschluss noch Autogramme bei einer Signierstunde im Südwind Weltladen auf der Mariahilferstraße gab. Kein Wunder, dass ihre Konzerte – als Special Guest des Orchestra Buena Vista Social Club und mit ihrer eigenen Gruppe – zu einem Triumph in der Oper wurden.

Mit Helge auf der Bühne der Staatsoper

Wiener Staatsoper nach dem Helge Schneider Konzert

Wiener Staatsoper nach dem Helge Schneider Konzert

Auch Helge Schneider feierte seinen Triumph. Mit einem fulminanten Abend in der ausverkauften Staatsoper ist der vermeintliche Blödler nun endgültig im Hoch-Kultur-Olymp angekommen. Dieser Mann ist nicht nur musikalisch ein waschechter Jazzer. Auch seine Comedy gleicht in Rhythmus und Improvisation einem großartigen Jazz-Konzert. Mein persönlicher kleiner Höhepunkt war, als ich wegen einer technischen Frage während des Soundchecks kurz auf die Bühne musste und so meine paar Sekunden mit Helge auf einer großen Bühne verbringen konnte.

Mit Solomon Burke im Hotelzimmer

Auf kleiner Bühne mit einem anderen großen der Musikgeschichte war ich kurz zuvor. In einer Suite in einem Wiener Innenstadthotel gab Solomon Burke ein kurzes Pressegespräch mit drei Radio-Journalisten. Der Prediger verwandelte den 30minütigen Medien-Termin in eine private Messe – die wir alle kurz darauf beseelt verließen. Seinem Konzert beim Fernwärme Wien Open Air konnte ich leider nicht beiwohnen. Aber der Grund – das Konzert von Marianne Faithfull (die ich bereits vor einigen Monaten treffen durfte) – ist wohl eine sehr gute Entschuldigung.

Nach dem abschließenden Staatsopernkonzert von Chaka Khan mit den George Duke Trio durfte ich einer bosnischen Journalistin aus Sarajevo noch die heimische Clubszene mit einem Besuch im Porgy & Bess näherbringen und einen entfesselnden David Murray miterleben.

Seun Kuti im Arkadenhof des Wr. Rathauses

Seun Kuti im Arkadenhof des Wr. Rathauses

Dann übersiedelte das Jazz Fest Wien in den Arkadenhof des Wiener Rathauses, wo am 6.7. Seun Kuti mit der Band seines Vaters Felas Egypt 80 eine afrikanische Party voll lauter Musik und politischer Botschaften entfesselte und das Publikum in eine Tanz-Hysterie stürzte, die Häupls Amtssitz wohl nicht mal am Life Ball erlebt. Das Konzert von Madeleine Peyroux am 8.7. war ein entspannender und viel bejubelter Kontrapunkt, der den Weg zum letzten Höhepunkt des heurigen Jazz Fest Wiens.

James Hunter gab mit seiner Band sein Österreich-Debüt und verwandelte das Porgy und Bess am 9.7. in eine Dancehall des klassischen Souls. Kein noch so steifer Konzertbesucher blieb ruhig stehen und so wurde der Abschluss-Abend des Jazz Fest Wien zu einer echten Soul-Party.

MannMannMann – das waren Tage voller Musik, Begegnung und Begeisterung – ich freu mich auf das 20. Jubliäums Festival 2010.


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