Musical „Guys & Dolls“, Volksoper Wien


Ich habe die Vorpremiere (27. Feb 09) des Musicals „Guys & Dolls“ in der Volksoper in Wien besucht.

Folgende Rezension schrieb ich mit meinem Freund über dieses Stück:

Guys and Dolls (von Frank Loesser)

Bei der ausverkauften(?) Vorpremiere des in den USA sehr bekannten Musicals – dort kann die Popularität des Stückes durchaus mit der Bekanntheit der Fledermaus in Österreich verglichen werden – konnte mithilfe authentischer Bühnenbilder der Broadway der 50er Jahre auferstehen. Anders als heute war der Broadway in den 50er Jahren nicht nur Treffpunkt von Theaterbegeisterten, sondern auch Schauplatz für Wettspiele von Kleinkriminellen, die den Rahmen des Stückes bilden. Durch die liebevoll und bis ins kleinste Detail gestalteten Bühnenbilder lebt diese Zeit für den Zuschauer wieder auf, während die kurzen Szenen in Kuba nicht nur durch Kulissen, sondern auch von einer Videoprojektion unterstützt werden.

Der Regisseur Heinz Marecek – in Österreich u.a. als Schauspieler der Fernsehserie Soko Kitzbühl bekannt – setzte dieses Stück sehr klassisch um. Man merkt dem Regisseur seine große Begabung an, die wesentlichen Merkmale der Figuren herauszuarbeiten, jedoch die Charaktere nicht zu überzeichnen. Unterstützt wird er dabei vom Text der deutschen Fassung, welcher auf aktuelle Bezüge verzichtet und ganz auf den Witz und Humor des Originals vertraut.

In den Hauptrollen der Miss Sarah Brown sowie Sky Masterson brillierten Johanna Arrouas und Axel Herrig nicht nur stimmlich sondern auch schauspielerisch. Sarah Brown versucht in einem täglichen (naiven) Kampf die Sünder von der Straße zu missionieren, bleibt dabei zunächst jedoch erfolglos. Während Sky Masterson als einer der „Hauptsünder“ erst durch ein Wettspiel auf sie aufmerksam wird. In diesem Spiel verlieren zuletzt beide ihr Herz aneinander. Einzig die Frage, warum sich eine Frau wie Sarah Brown der Heilsarmee verschreibt, bleibt von ihr, wie auch von der Regie, unbeantwortet. Dies ändert aber nichts am Unterhaltungswert der Aufführung, da dem Stück philosophische Überlegungen ohnehin fremd sind.

Das zweite wesentliche Paar des Stücks ist Miss Adelaide (dargestellt von Sigrid Hauser) und Nathan Detroit (Volksoperndirektor Robert Meyer). Miss Adelaide, Langzeitverlobte von Nathan Detroit, leidet darunter, dass ihr seit vierzehn Jahren die Ehe versprochen wird, ihr Verlobter aber mehr Interesse an der Organisation von illegalen Glücksspielen zeigt als an ihr. Während Meyer den Kleinkriminellen überzeugend im Konflikt mit Gesetzeshütern und „schweren Jungs“ darstellt, konnte Frau Hauser stimmlich nicht ganz überzeugen, machte dies jedoch mit einer überschwänglichen Darstellung wieder wett.

Im besonders schwungvollen und unterhaltsamen zweiten Teil des Stückes unterstreicht das groß besetzte Orchester den filmmusikartigen Charakter der Musik. Der klassische Ansatz für dieses Musical, den die Volksoper gewählt hat, geht voll auf und macht Lust darauf, die Reise in die Welt der Ganoven der 50er anzutreten.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *