Kompromiss-Wutauslöser gesucht


Ins Kabarett gehe ich eigentlich selten, aber wenn sich schon einmal die Gelegenheit bietet – so wie am vergangenen Dienstag, als ich mich selbst von Schneesturm und Gewitter nicht abhalten ließ, ins Rabenhof Theater zu marschieren.

Meistens finde ich es ja fast besser, wenig über die Veranstaltung zu wissen, die ich besuche – zumindest im Kulturbereich. Erstens mag ich den oft eintretenden Überraschungseffekt und zweitens fühle ich mich zumindest ein wenig unbeeinflusster von der gesamten Kritik.

rabenhofIm Fall von „Männer fürs Grobe“ mit Florian Scheuba und Robert Palfrader allerdings hätte es mir geholfen, vorher den Programmtext zu lesen. Dass sich da nämlich nicht nur zwei sich gegenseitig anstachelnde Rotzlöffel auf der Bühne treffen, die alles und jeden, der ihnen in der Zeitung oder in Gedanken entgegenkommt, aggressiv nieder- und in der Luft zerreißen, wurde mir erst gegen Ende des Abends klar...

(Fotocredit: Rabenhof/pertramer.at)

Die Reflexionen über den Sinn des Zorns und seines Ausdrucks und Auslebens, sowie die erfolglose Suche nach einem „Zornobjekt“, auf das sich die breite Masse einigen kann, ein Kompromiss-Wutauslöser sozusagen, als roter Faden des Stücks hätten sich schon früher deutlicher herauskristallisieren können. Denn darin lässt sich sogar eine Botschaft erkennen. Nachdem schon Sigmund Freud den Witz als Triebableiter erkannt hat, wurde hier klar: wir lachen und empören uns und sind dabei froh, nicht selber die unangenehme Arbeit übernehmen zu müssen.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *