Die Zeit läuft… egal in welcher Richtung 1


(c) Skip

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Ich muss zugeben, bei Literaturverfilmungen bin ich immer vorsichtig. Die Vielstimmigkeit und Vielschichtigkeit eines Romans kann man nur schwer in zwei Stunden auf Leinwand bannen, meistens gehen wichtige Aspekte dabei verloren. Und nichts ist schlimmer, als im Kino plötzlich mit Darstellern und Schauplätzen konfrontiert zu sein, die so gar nicht dem entsprechen, was man sich bei der Lektüre im Kopf mosaikgleich zusammengebaut hat.

Dem kann ich immerhin entgegenwirken, wenn ich eine Verfilmung anschaue, deren zugrundeliegendes Buch ich noch nicht gelesen habe. Und eine Kurzgeschichte eignet sich vielleicht für eine filmische Adaption gar nicht so schlecht. Kurz: ich habe „The curious case of Benjamin Button“ angeschaut, der auf einer Short Story von F. Scott Fitzgerald beruht, und war so angenehm überrascht wie schon lange nicht mehr.


Bei all dem Boom von Dokumentarfilmen oder solchen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, vergisst man beinahe die Schönheit und Kraft der Fiktion. Dabei schafft es der Regisseur David Fincher (der nach Filmen wie „Sieben“, „Fight Club“ oder „Zodiac“ ziemlich radikal das Genre wechselt) ohne sich zu streng an die literarische Vorlage zu halten, den „seltsamen Fall des Benjamin Button“ verblüffend plausibel zu zeichnen. Dass Benjamin als greisenhaftes Baby geboren wird, im Laufe der Zeit immer jünger wird und seine Lebenserfahrungen praktisch immer am „falschen“ Ende der Lebensskala macht, verwundert höchstens in dem angenehmen Sinn, dass man die Idee schlicht originell finden muss.

Irgendwie beruhigend zu wissen: auch wenn man immer jünger wird, ist das Leben um nichts leichter. Die Frage nach dem richtigen Moment und verpassten Chancen ist genauso dringlich. Als sich Daisy (Cate Blanchett) und Benjamin (Brad Pitt) in der Mitte ihrer Leben zum Glück wieder treffen, haben sie nicht viel Zeit: nur für wenige Jahre sind sie in etwa gleich alt, bevor der Abstand zwischen ihnen wieder größer und größer wird. Immerhin, die Zeit, die ihnen gehört, nützen sie auch, vielleicht ist das schon mehr, als vielen gegönnt ist…

Die vergehenden Jahrzehnte sind im Film wunderbar porträtiert und die  Struktur von Rahmengeschichte und Nebengeschichten ist rundherum stimmig. Ein wirkliches Filmvergnügen.

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„Der seltsame Fall des Benjamin Button“
The curious case of Benjamin Button

USA 2008
Regie: David Fincher
Mit: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton, Julia Ormond u.a.

Für den Oscar nominiert in 13 Kategorien.

Seit 30.1.2009 österreichweit in den Kinos.


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