Joe Boyd – White Bicycle – Musik in den 60er Jahren


Endlich wieder mal ein Buch gelesen, das mein Hirn auf einen Gedanken bringt, der so gar nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hat. Die Frage lautet: „Wie kann ein Mensch, der es nach allen Regeln der Branche vergeigt hat, immer noch so ein entspanntes Leben führen und nebenbei als „Graue Eminenz“ der 60er und 70er Jahre in die Musikgeschichte eingehen?“ oder kurz:

„Warum hat er nicht den Hut draufg’haut?“

Zur Erklärung: Joe Boyd zog die Fäden hinter den Kulissen der Musik, die eine ganzen Generation geprägt hat. Denn ohne diesen Mann gäbe es keine Pink Floyd (er entdeckte produzierte und managete die Band). Aber nicht nur diese: ebenso war er es, der den Erfolg von Nick Drake und Bands wie Fairport Convention und die kultige Incredible String Band durch sein musikalisches Gespür begründete. Boyd mischte als Tourmanager von Muddy Waters die Blues-Szene auf, erlebte Bob Dylans Elektrifizierung in Newport und gestaltete die explodierenden Psychedelic-Szene Londons maßgeblich mit.

Im London der 60er Jahre war Joe Boyd für ein Label als A&R Manager („Talentesucher“) tätig – ich zitiere eine meiner Lieblingsstellen: „… Bis jetzt waren mir Steve Winwood, Lovin‘ Spoonful, Cream (Eric Clapton Anm.), Pink Floyd und die Hits „Fire (I’m the god of hellfire)“ und „A Whiter Shade of Pale“ durch die Lappen gegangen …)“

An dieser Stelle verweise ich auf die Kaufmöglichkeit des Buches auf amazon.de. Dort finden Sie auch die dazu passende CD mit einigen von Joe Boyds Arbeiten. Die CD ist auch beim österreichischen Vertrieb lotusrecords.at erhältlich.

Bei der zu Beginn gestellten Frage kam ich zu folgendem Schluss: Er hat seine(n) Beruf(ung) – die Musik – geliebt und wollte nie ein reicher Plattenproduzent oder gar selbst zum Star werden. Er wollte der Welt Musik schenken. Musik, die er selbst gut fand von Musikern die Genies auf ihrem Gebiet waren. Eine Haltung, die über jedes Ego hinaus geht und die der Musikbranche in Zeiten wie diesen wieder verdammt gut stehen würde.

Nur so scheint es mir erklärlich, dass man folgende Entwicklungen ohne Nervenzusammenbruch überleben kann: „… und ich bekam die Rechte für Benny und Björn für die englischsprachigen Länder … Nach einer freundlichen Unterhaltung luden Benny und Björn mich ein, noch zu bleiben: In der Lounge des Hotels gäbe es gleich eine Revue … Ihre Freundinnen hätten die Hauptrollen … Nach der Show gingen wir fünf (richtig, die beiden Tänzerinnen waren Agneta und Frida) in Bennys Wohnung …“ Einige Zeit später bekam Joe Boyd ein lukratives Angebot aus den USA, dem er folgte. Dazu musste er vorher seine Europa-Geschäfte „abwickeln“. „… Island (Records Anm.) würde meine Verlagsrechte kaufen … Was war schon ein Deal mit ein paar schwedischen Songschreibern für ein paar Songs, die vielleicht nie geschrieben würden, verglichen mit der verlockenden Welt, die mich in Kalifonien erwartete.“

Ich denke mehr ist dazu nicht mehr zu sagen. (Für alle die es noch nicht herausgelesen haben – hier der Wikipedia-Link zu ABBA)

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