Musikalisches Storytelling – Vorsicht Suchtgefahr


Cover: Carla's Cafe

„Das erste Massenmedium war das Geschichtenerzählen“ sagt der Science-Fiction-Autor William Gibson im Interview. Übrigens im Zuge einer wunderbaren 3-Sat-Doku. Nicht nur hat der Schriftsteller ästhetische Maßstäbe gesetzt und mit seiner Arbeit bewiesen, dass sich Ideen erfinden und wunderschön beschreiben lassen: Lange bevor sie in der Wirklichkeit tatsächlich umgesetzt werden. Und sogar die Welt können sie verändern, die Ideen. Gibson appelliert aber auch an ein menschliches Grundbedürfnis: Menschen brauchen Stories, Abenteuer und Phantasien.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Diese beginnt an einem idyllischen Winterwochenende. Der erste Schnee fällt. Die Szenerie: Ein großes gemütliches Wohnzimmer mit großen Glasscheiben, die den Blick auf einen bezaubernd bezuckerten winterlichen Garten freigeben. Im Kamin knistert ein noch zaghaftes Feuer. Sanfte Gitarrenklänge. Eine ruhige, samtige Stimme singt von Träumen, Erinnerungen, Gedanken. Das Saxophon weint und schmachtet. Dann akzentuiert und exakt. Die Querflöte versöhnt und lockt. Die Stimme schmeichelt. Die Sonne schickt ein paar Strahlen durchs Fenster und die Atmosphäre ist entspannt. Ein Lächeln füllt den Raum. Caféhausgefühl. Chillen mit Freunden. Groovy. Vertrautheit entsteht. „Time is passin´ by without a sign…“

Das ist Musik zum Entspannen und Nachdenken. Ohne einzulullen oder anzustrengen. Und doch mit dem Anspruch, sich darauf einzulassen.

Das Wochenende brachte eine neue alte Lieblingsbeschäftigung zurück in mein Leben. Musik in ihrer reinsten Form. Im „Anwendungsmodus“ sozusagen. Die Lust, ein Teil der Musik zu werden, ist wieder da. „My dreams are my reality…“

Als Enthusiastin der Sprache und des Wortes hatte ich die elektrisierende Wirkung der Musik zwar nie missen mögen, aber diese Emotionswelt hatte doch nie den schmalen Raum einiger weniger Stunden überschritten, die man sich von einer mehr als ausgefüllten Arbeitswoche abzuringen vermag.

Der Wiener Singer/Songwriter Martin Kaltenböck und der Gitarrist Tilman Grüll, die kürzlich als Carla´s Café ihr Debüt-Album „last years‘ diary“ präsentierten, machten mir – mit ihren Musikerkollegen – die Freude einer „Privatsession“ in meinem Haus.

Die schöpferische Auseinandersetzung mit dieser musikalischen Form des Storytelling empfiehlt sich nicht nur an verschneiten Winterwochenenden am flackernden Kaminfeuer (wenngleich ein solches Umfeld das seelische Wohlgefühl des Hörgenusses durchaus aufzurunden vermag). Hey, what´s goin´? What´s on your mind? Time is passin´ by without a sign…

…und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch lange. Denn die nächste Carla´s Café CD kommt bestimmt.

Marion Fugléwicz-Bren

Weiterführende Informationen zu Carla’s Cafe:

Weblog & Website Carla’s Cafe
Pressetext
zum Debüt-Album
MySpace Seite von Carla’s Cafe
FM4 Soundpark: Carla’s Cafe

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