James Bond – eine Gegendarstellung


Als Bond-Fan der ersten Stunde – was in meinem Fall heißt – seit dem „Dr. No“ zum ersten Mal im Fernsehen lief – muss ich den Kommentar meines Kollegen zum neunen James Bond Film erwidern. Im Gegensatz zu meinem Kollegen hat mir „Quantum of Solace“ wenn schon nicht ausgezeichnet, doch gut gefallen. Ich denke, man muss dem Neuen seine Zeit geben sich zu entwickeln. „Casino Royale“ war der Beginn einer neuen Reihe – Bonds erste Mission nachdem er seine 00-Lizenz (zu töten) erhalten hat. Der Schnitt ist radikaler als „In tödlicher Mission“ nach dem völlig überdrehten „Moonraker“ und dringend notwendig nach dem grottenschlechten „Stirb an einem anderen Tag“ (ich sage nur Auto mit Tarnvorrichtung). Pierce Brosnan war der richtige Bond für die „fetten“ Neuziger Jahre – dekadent und mehr als nur arrogant. Daniel Craig hat die Figur ins neue Jahrtausend überführt. Nicht nur die Figur sondern auch die Gegner sind nicht mehr so einfach fest zu machen – am Anfang des neuen Films tappt selbst „M“ bezüglich der neuen Bedrohung im Dunkeln. Diese sagt dann am Schluss sinngemäß (vermutlich stellvertretend für viele Menschen) „Ich will meinen alten James Bond zurück“. Seine Antwort darauf lautet: „Ich war niemals weg.“

Laut den Produzenten soll die Bond-Reihe und der dahinter stehende Mythos für eine neue Generation Bond-Fans wieder nachvollziehbar gemacht werden. Ich finde, man sollte diesen Mut belohnen. Denn nichts wäre einfacher als den immer wieder gleichen Plot wieder und wieder aufzulegen. Das führte schon Ende der 80er Jahre fast in den Tod der Serie. Mit Pierce Brosnan wurde dann der richtige Ton für viele aktuelle Bond-Fans getroffen. Doch schon nach seinem zweiten Kino-Auftrag wurde die Geschichte-Suppe dünner und die Effekt-Soße immer dicker. Umso erfreulicher war der Craig-Erstling „Casino Royale“, der neben einer „richtigen“ Handlung mit schön wenig Technik-Spielereien auskam. Bond-Humor war wieder bei trockenen Kommentaren ala Sean Connery angekommen. Dialog-Anspielungen an Bond-Heiligtümer wie Moneypenny und Vodka-Martini zeugten von Respekt der Figur und den Fans gegenüber.

„Quantum of Solace“ beginnt ohne große Umschweife da, wo „Casino Royale“ aufgehört hat. Viele Kritiker mosern über die übertriebenen Actionsequenzen. Diesen wurde in den älteren FIlmen nicht weniger Platz eingeräumt, nur wurden diese meist mit Feuerwaffen abgewickelt. Im Gegensatz dazu besticht der neue Bond durch intensive Nahkampfqualitäten. Was wohl auch zu den zahlreichen Narben führte, die Bond in einer Szene präsentiert und sich dadurch verletzbar zeigt. Ich war ob der Kritiken, die auch an der Handlung wenig gute Haare ließen, eher von den Dialogpassagen (für Actionfilm-Verhältnisse durchaus ausführlich erklärend) überrascht, die gekonnt durch den zwar nicht zu dicken, aber zumindest plausiblen Handlungsstrang führten. Da stellt sich die Frage „Seit wann wird bei Bond-Filmen eigentlich Dialog und Handlung so streng beurteilt?“

Mein Highlight im Film waren neben dem Titelsong, die Szenen im Hotel als „M“ Bond das Vertrauen ausspricht, nachdem dieser seine Kollegen auf sehr coole Art und Weise „überzeugt“ hat, dass sie ihn nicht von seinem Auftrag abhalten können, und sich auf noch coolere Art auf den Weg zum Showdown macht. Auch die Schluss-Sequenz, mit dem oben schon angesprochenen Dialog, der nachgelieferten Gun Barrel Sequence (Bond wandert im weißen Kreis in die Mitte der Leinwand und schießt Richtung Publikum) und dem alt-bekannten Bond-Theme, lässt mich für die kommenden Jahre den neuen klassischen Bond erwarten.

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