Blind Date mit Nietzsche


Letztes Wochenende habe ich ein Experiment gewagt: in ein Theater zu gehen, ohne irgendetwas über das Stück oder die Inszenierung zu wissen. Gelandet bin ich im Theater Brett, einer kleinen Bühne im 6. Bezirk in Wien. 
Zumindest war dann klar, dass es sich um eher experimentelles Theater handeln würde, aber beim Anblick des Titels wurde mir zugegebenermaßen leicht schwindlig: „Ecce Homo“ – Reduziertes Nebukazzneda spielt Ecce Homo – eine Lesung. anfänglich. Nur hatte ich da den Untertitel noch nicht gesehen: …hier arbeitet eine vollkommene Höllenmaschine.


Dennoch frohen Mutes reinspaziert in den kleinen, schwarzen Raum, auf einem der Sessel an der Wand Platz genommen und: in der Mitte weitere Sessel, kreuz und quer, zwei Musiker mit weiß bemalten Gesichtern in einem Minisoundstudio, mit Gitarren, Schlagzeug, Trommeln, Computer, Verstärker… und Seifenblasen.
Ein Schauspieler rezitiert von Sessel zu Sessel wandernd Teile aus Friedrich Nietzsches „Ecce Homo“, dazwischen Rockmusik und Getrommel, Rasierschaum und Spucke. Die Seifenblasen nicht zu vergessen. Und eine junge Frau in einem schönen Kleid.

Der autobiographische Text gehört zum Spätwerk Friedrich Nietzsches und ist merklich von Größenwahn und der fortschreitenden geistigen Umnachtung des Philosophen geprägt. Wichtige Themen in seinem Lebenswerk werden aber noch einmal resümiert, und ganz fremd und weit hergeholt klingt längst nicht alles.

Die Verschmelzung von Schauspiel, Lesung und Musik war allemal interessant und bot eine neue Art der Auseinandersetzung. Schräg, ein wenig unbequem, aber spannend. Und macht auf jeden Fall Lust auf andere Überraschungen und Kultur-„Blind Dates“.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *