SHELLAC – Rock trifft auf Mathematik


Es war im Herbst 2001 – im alten Schlachthof in Wels – ich war gerade nach Wien gezogen – doch für dieses Konzert im Rahmen des Unlimited Festivals musste ich zurück in meinen „alten“ Kulturlebensraum. Ich wäre auch zu Fuß hingegangen, aber zum Glück fahren ja stündlich Züge von Wien West ins Oberösterreichische.

Shellac
Bild: Shellac

Es wurde wohl eines der intensivsten Rockkonzerte die ich in meiner Karriere als Publikum bis jetzt besuchen durfte. Auf der Bühne zwei Verstärker in gleicher Ausführung: ein Schalter zum ein- und ausschalten – ein großer Drehknopf für die Lautstärke – eine kleine Anzeigennadel für weiß Gott was, die aber andauernd in den roten Bereich ausschlugen. Auch das Schlagzeug besteht nur aus dem Notwendigsten – vor allem Bass-Drum und Becken. So entsteht die Musik von SHELLAC – trocken, reduziert auf das notwendigste beschränkt – mit fast mathematischer Präzision wir hier Musik gebaut. Was wie ein Widerspruch klingt – schließlich steht ja gerade Rockmusik für wildes Leben, unkontrollierten Exzess und Anarchie – es funktioniert – vielleicht sogar besser als beim Genre-üblichen Proberaum-Jammen. SHELLAC ist Rockmusik die im Hirn Feuer legt und den Körper explodieren lässt.

Vor allem dachte ich aber ich würde dies Band nie wieder sehen. Da sie ungern auf Tournee geht (vor allem nicht in Europa), meist in kleinen Clubs spielt und somit für viele Veranstalterkaum leistbar ist. Umso glücklicher bin ich das es endlich gelungen ist die Band von Steve Albini, der am Mischpult für legendäre Alben wie „Surfer Rosa“ von den Pixies oder „In Utero“ von Nirvana verantwortlich war, nach Wien zu lotsen. Es hat bis zum 7. Mai 2008 gedauert, dass man auch hier live vor dem musikalischen Monolith Shellac stehen und den Kopf im Takt schütteln kann, wie einst die Höhlenmenschen in Kubriks „2001: Odyssee im Weltraum“. Ich werde dabei sein und hoffenlich mit mir viele andere auch.

Denn sowohl die Gruppe als auch die SZENE hätten sich das verdient. Eine Spielstätte, die ob des überraschenden Führungswechsel und damit verbundenen (sagen wir mal) komischen Geruchs bei der Vergabe schwere Zeiten durchlebt.
Mehr zu diesem Thema unter folgenden Links:
derstandard.at vom 27.04.08
Freunderlwirtschaft in der Wiener Szene

wien.orf.at vom 04.05.08
Wirbel um Szene Wien

P.S. Es hätte sich echt ausgezahlt zum Konzert nach Wels (dort spielt die Band übrigens schon am 6. Mai) zu Fuß zu gehen – es wäre jeden einzelnen Schritt wert gewesen – umso besser wenn man nun ganz einfach mit den Wiener Linien anreisen kann.
www.szenewien.com
Shellac-Website

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